Wie oft sitzt du einem Menschen im Gespräch gegenüber und bist nicht wirklich präsent?

Im Kopf bist du schon bei deinem nächsten Satz, den du sagen willst oder bei deiner ToDo-Liste und all den Dingen, die du noch erledigen musst.

Du gehst vielleicht des Öfteren aus Gesprächen mit Kunden oder Kollegen raus, ohne genau zu wissen, was der andere will. Später kommst du dann oft darauf, dass ihr aneinander vorbeigesprochen habt.

Vielleicht fällt es dir auch in der Kommunikation mit deinen Kindern auf. Ich selbst habe mich heute früh wieder dabei ertappt.

Wir waren dabei uns für die Schule und die Arbeit fertigzumachen. Mein Sohn wollte mir noch etwas erzählen. Er war voller Leidenschaft dabei. Ich hörte nicht wirklich hin und außer einem kurzen „aha“, „wirklich?“, „cool“ kam von mir nichts. Ich zog mich nebenbei an und sagte auch ihm, dass er sich die Schuhe anziehen soll. Dann wurde mir zum Glück noch bewusst, dass ich ihm nicht aktiv zuhöre. Ich hielt inne, beendete all meine Tätigkeiten und war ganz bei ihm.

Er erzählte mir in 2 Minuten seine Geschichte und wir waren beide über diesen wertvollen gemeinsamen und bewussten Augenblick glücklich.

Wie du wieder lernst, aktiv zuzuhören erzähle ich dir in diesem Beitrag.

Aktives Zuhören im Wartezimmer

Die Idee für diesen Beitrag hatte ich, während ich bei einem Arzt im Wartezimmer darauf wartete aufgerufen zu werden. Mir fiel ein Gespräch zwischen einer Frau und einer Ärztin auf. Die Frau schien ziemlich fertig und die Ärztin kam extra nochmal heraus, um mit ihr zu sprechen.

Obwohl ich nicht verstehen konnte was gesprochen wurde, fiel mir das Gespräch auf. Die Ärztin hörte der Patienten tatsächlich aktiv zu. Ihr Blick wanderte nicht im vollen Wartezimmer umher, sie blickte nicht auf die Uhr, sie war mit ihrer vollen Aufmerksamkeit bei diesem Gespräch und hörte aktiv zu. Der Frau ging es nach diesem Gespräch sichtlich besser.

Die Tatsache, dass ich es super toll fand, dass sich jemand in einem Gespräch so Zeit für einen anderen nimmt, gab mir zu denken. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein. Leider ist es das heutzutage nicht. Wir hören einander nicht mehr zu.

Wir hören einander nicht zu

Mitunter ein Problem in unserer Gesellschaft ist, dass wir einander nicht mehr zuhören. Wir hören hin, aber bestimmt nicht zu. Hinhören ohne Zuhören heißt, aufzunehmen was die andere Person sagt, ohne sich zu bemühen herauszufinden, was der andere wirklich meint. Zuhören hingegen heißt, sich in den Partner hineinzuversetzen und ihm volle Aufmerksamkeit zu schenken, schreibt Hildegard Knill auf ihrer Homepage.

Vielfach hören wir also einfach nur hin. Wir reden aneinander vorbei und gehen in nicht auf den anderen ein. Vielleicht habt ihr auch diesen einen Freund oder Freundin, welcher euch kaum zu Wort kommen lässt, nicht auf euer Gesagtes  eingeht und nur darauf wartet seine Geschichte weitererzählen zu können.

Vielleicht sind wir in Konversation durch unsere ständigen Gedanken auch sehr hektisch, blicken ständig umher und wollen einfach nur weg.

Dabei hätte das aktive Zuhören so viele Vorteile.

Vorteile durch aktives Zuhören

Wenn man sich wirklich aktiv in sein Gegenüber hineinversetzt hat das viele Vorteile:

  • Wir gehen respektvoller miteinander um. Das bedeutet auch, dass wir andere Meinungen anerkennen. Achtung: Das heißt nicht, dass ich gleicher Meinung sein muss.
  • Wir wirken empathischer auf andere. Durch das aktive Zuhören können wir uns in den anderen hineinversetzen und wirken somit empathischer auf ihn.
  • Wir verstehen den anderen. Wir wissen plötzlich von unserem Gegenüber, was dieser wirklich will und was seine Beweggründe sind. Der gesamte Informationsaustausch wird verbessert und die Kommunikation somit erleichtert.
  • Wir bauen Vertrauen auf. Menschen, die uns wirklich zuhören und uns das Gefühl geben, dass wir wichtig sind, denen vertrauen wir auch.
  • Aktives Zuhören trägt zur Lösung von schwierigen Situation bei. Wenn wir einander wirklich verstehen, können wir verfahrene Situation und Konflikte durch aktives Zuhören leichter auflösen.
Wenn Sie wirklich zuhören, dann geschieht dabei ein Wunder. Das Wunder besteht darin, dass Sie ganz bei dem sind, was gesagt wird, und gleichzeitig ihren eigenen Reaktionen lauschen. Klick um zu Tweeten

Aktiv zuzuhören hilft dir bei allen Kommunikationen, sei es im Mitarbeitergespräch, beim Verkaufsgespräch, bei Gesprächen mit deinem Partner, mit deinen Kindern, etc.

Du kannst in all deinen Gesprächen vom aktiven Zuhören profitieren.

So lernst du aktives Zuhören

Um aktiv Zuhören zu können, musst du dich zuerst bewusst dafür entscheiden, dass du das auch willst. Stell dir vor, dass es im Moment keinen wichtigeren Gesprächspartner gibt auf der Welt außer deinem Gegenüber.

Lasse dich voll auf das Gespräch ein.

Mit den folgenden nonverbalen und verbalen Kommunikationsmitteln signalisiert du deinem Gesprächspartner, dass du wirklich aktiv zuhörst.

Nonverbal

  • Halte Blickkontakt und schau deinem Gesprächspartner in die Augen.
  • Habe einen offenen Blick
  • Signalisiere Aufmerksamkeit durch Nicken
  • Mache dir Notizen. Notiere dir etwaige Fragen oder Anmerkungen. So kannst du diese nicht mehr vergessen und wirst nicht davon abgelenkt in dem du ständig daran denken musst.
  • Sei offen für andere Ideen und versuche nicht sofort zu urteilen.
  • Überlege dir nicht schon eine Antwort im Kopf, bevor der andere ausgesprochen hat.
Im Moment gibt es auf der Welt keinen wichtigeren Gesprächspartner als mein Gegenüber. Klick um zu Tweeten

Verbal

  • Halte Pausen aus und unterbrich nicht sofort. So gibst du deinem Gegenüber die Möglichkeit über sein Gesagtes kurz nachzudenken und gegebenenfalls etwas zu ergänzen.
  • Lasse den anderen ganz aussprechen, bevor du zu sprechen beginnst. Oft glaubt man, man habe den Anderen schon verstanden, ohne aber alle Informationen zu haben. Gerade so, gehen wertvolle Informationen verloren, die oft helfen, unseren Gesprächspartner wirklich zu versehen.
  • Halte dich vorerst mit deiner Meinung zurück. Aktiv Zuhören heißt auch, andere Meinungen anzuerkennen.
  • Fasse das Gesagte kurz zusammen. „Wenn ich dich richtig verstanden habe, dann …“
  • Frage nach
  • Stimme zu durch „ja“, „aha“, „verstehe“. Gerade bei Telefonaten ist dies sehr hilfreich, da dein Gesprächspartner deine nonverbalen Signale nicht wahrnehmen kann.

Mit diesen kleinen Hilfsmitteln gelingt dir das aktive Zuhören bestimmt. Das schöne ist, du kannst du jederzeit und oft über den Tag verteilt üben.

Nutze deine Gespräche mit anderen (Kollegen, Kassiererin, Freunden, etc.) um dich im aktiven Zuhören zu üben.

Lass mich in den Kommentaren wissen, wie es dir dabei ergangen ist.

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