Erinnere dich daran, als du das letzte Mal gehetzt das Haus verlassen hast. Hast du deine Kinder oder deinen Partner angeschrien, sie sollen sich endlich beeilen, sich anziehen oder die Schnürsenkel binden?

Wann bist du das letzte Mal an der Supermarktkasse gestanden und warst furchtbar gestresst, weil nichts weiterging?

Selbstoptimierung um jeden Preis

Wir versuchen ständig Zeit zu sparen. Dabei schreien wir unsere Kinder an, sie sollen sich beeilen. Wir drängen unseren Partner endlich fertig zu werden oder versuchen neben dem Schreiben der E-Mail, auch noch ein Telefonat zu führen.

Unser gesamtes Leben ist minutiös durchgetaktet. Wir versuchen uns selbst ständig zu optimieren und zu verbessern. Wir optimieren Prozesse und wollen alles schneller machen. Leben können wir ja später. In der Rente oder wenn die Kinder größer und außer Haus sind.

Und trotz dieser Optimierung, haben wir gefühlt doch immer weniger Zeit.

So hetzen wir durch unser Leben und übersehen dabei das Wichtigste: das Leben selbst. Denn genau dieser Moment ist Leben und genau dieses Leben verpassen wir, wenn wir hetzen.

Was wir nicht merken ist, dass Zeit sparen Zeit kostet. Wir haben plötzlich keine Freude an der Tätigkeit selbst mehr und opfern so vieles für die scheinbar gewonnene Zeit. Wir vernachlässigen unsere Freunde, unsere Partner oder unsere Kinder. Wir haben immer weniger Zeit uns einfach einmal hinzusetzen und ein gutes Buch zu lesen oder einfach auch einmal nichts zu tun.

Als Kinder hatten wir noch alle Zeit der Welt. Wir hatten Zeit zu beobachten und die Zeit, Dinge entfalten zu lassen.  Die Frage ist, wie wir das wieder erlernen können?

Geduld führt zum Erfolg

Um Geduld zu lernen, ist es wichtig, die Zeit der Dinge anzuerkennen. Wir müssen die Zeit eines Prozesses anerkennen und uns diese bewusst machen, ohne dabei zu manipulieren oder zu versuchen, den Prozess zu beschleunigen. Dieses oder jenes „noch schnell machen“ funktioniert nicht. Wir dürfen nicht drängen, dass etwas fertig wird.

Gewisse Prozesse können wir ohnehin nicht beschleunigen. Die Schlange an der Supermarktkasse wird nicht kürzer, nur weil ich gestresst bin. Unsere Kinder lernen nicht schneller, nur weil wir sie dazu drängen und anschreien.

Das Gras wächst nicht schneller, nur weil man daran zieht. Klick um zu Tweeten

Wenn wir während dieser Prozesse geduldig sind, nehmen wir den Moment bewusst wahr und sparen somit Energie, die wir anders nur mit dem Versuch, den Prozess zu beschleunigen, vergeudet hätten. Geduld ist also ein Energiesparmodus.

Es ist jedoch wichtig, die Geduld in einem Prozess nicht mit Resignation zu verwechseln. Geduld ist ein Zustand von Klarheit und Wachheit. Man ist interessiert und offen und nicht abgestumpft und verschlossen.

So gelingt es dir…

Atme tief durch. Atme tief durch und mach dir bewusst, dass du einen Prozess startest. Dann lasse dich bewusst darauf ein. Akzeptiere und nimm an, dass du in diesem Moment nichts anderes zu tun hast.

Mach es Schritt für Schritt fertig. Versuche nicht, den Prozess zu beschleunigen. Nimm in an, wie er ist. Hier gefällt mir die Ansicht von Beppo Straßenkehrer aus Michael Endes Roman Momo sehr gut:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

Mach es wie Beppo. Geduldig und Schritt für Schritt, den Geduld führt zum Erfolg.

Zum Abschluss möchte ich noch, dass du dir folgende Frage stellst: Wenn du irgendwann einmal auf dein Leben zurückblickst, ist es dir wichtig, dass du

  1. ein glückliches Leben geführt hast oder
  2. ein möglichst optimiertes Leben geführt hast.

Bei welchem Prozess nehmt ihr euch vor in Zukunft geduldiger zu sein? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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