In meinem Artikel über Wertneutralität habe ich schon beschrieben, wie wir sofort über Situationen urteilen. Entweder etwas ist gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm.

So ging es mir selbst, als ich an einem heißen Sommertag von der Arbeit heimfuhr und es zu regnen begann, als ich einparkte. Zum Glück war da wer, der mich meine Entscheidung noch einmal überdenken ließ.

Der Abend war beim Teufel… vermeintlich…

Ich kam also von der Arbeit heim. Es war ein wundervoller Sommertag und ich freute mich schon darauf mit meinem Sohn draußen zu spielen. Doch als ich mein Auto einparkte, zog sich der Himmel zu und es begann in Strömen zu regnen. Mein erster Impuls war genauso, wie man ihn vermutlich von den meisten Menschen erwarten würde. Ich war sauer. Alles was ich geplant hatte, das gemeinsame Fußballspielen mit meinem Sohn, den lauen Sommerabend mit meiner Frau bei einem guten Glas Wein genießen, konnte ich vergessen. Ich packte meine Sachen im Auto zusammen und flüchtete vor dem Regen und unseren Dachvorsprung und versuchte dabei nicht klitschnass zu werden. Die gute Stimmung war beim Teufel.

Der Regen als unerwarteter Glücksfaktor

Bevor ich ins Haus ging, hielt ich nochmal kurz inne, denn ich sah meinen Sohn freudestrahlend im Regen auf mich zulaufen. Er war noch in der Badehose. Und da war er schon wieder. Mein Autopilot, der sich sofort mit einem Urteil meldete: „Schnell komm her und stell dich unter. Du bist ja schon ganz nass. Komm und trockne dich ab!!“

„Wieso?“ war sein erster Kommentar.

„Komm, laufen wir im Regen. Das ist lustig. Und es ist sowieso noch warm.“

Und da hielt ich inne und bewertete die Situation nochmal neu. Eigentlich hätte ich das schon tun sollen, als ich seinen freudigen Gesichtsausdruck sah, als er im Regen auf mich zulief. Warum eigentlich? Wer sagt, dass Regen schlecht und etwas Unangenehmes ist? Ich betrachtete den Regen als etwas neutrales. Etwas, dass halt jetzt da war und ließ mich darauf ein.

Wir liefen und tobten gemeinsam im Regen herum. Ich war vollkommen im Augenblick, spürte den Regen als Abkühlung auf meiner Haut und die nasse Kleidung an meinem Körper. Es war wunderbar. Wir hatten gemeinsam jede Menge Spaß.

Als die Sonne nach 15 Minuten wieder herauskam, waren wir beide zwar pitschnass, aber dafür umso glücklicher. Ich zog meine nassen Sachen aus, trocknete mich ab und nichts Schlimmes war passiert. Mein Sohn und ich hatten gemeinsam wundervolle Minuten verbracht. Für ihn war es ein Abenteuer und für mich eine Lehre für die Zukunft.

Der Regen als Übung zur Achtsamkeit

Nutze den nächsten Regen als Übung zur Achtsamkeit. Gehe raus und werte nicht. Spaziere durch den Regen und spüre bei jedem Schritt, wie der Regen auf dich niederprasselt. Welches Geräusch verursacht er auf deiner Kapuze oder auf der Straße? Welches Gefühl erzeugt er auf deinem Gesicht? Wie fühlt sich deine nasse Kleidung auf deiner Haut an? Ist es kalt? Spaziere so 10 Minuten bewusst durch den Regen und versuche alle deine Sinne auf diesen Spaziergang und auf den Regen zu konzentrieren.

Wann bist du das letzte Mal draußen herumgelaufen, wenn es geregnet hat?

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