Dieser Eintrag handelt vom zweiten Prinzip der Achtsamkeit: Dem Anfängergeist.

Wisst ihr noch, wie ihr als Kinder neue Dinge betrachtet habt? Die Blume, die blau leuchtend am Straßenrand wuchs oder den schwarz-roten Käfer der euren Weg gekreuzt hat.

All das war furchtbar aufregend und musste bis ins Detail erforscht werden. Nichts anderes war wichtig. Wir waren wie Forscher und ließen uns durch nichts und niemanden stören.

Irgendwann auf dem Weg zum Erwachsenwerden verlieren wir dieses Staunen. Wir haben vorgefertigte Meinungen zu Dingen. Durch unsere Ausbildung und unsere Erfahrungen werden wird abgeklärt, aufgeklärt und routiniert. Wir schalten immer öfter in unseren Profimodus, in dem wir glauben zu wissen, wie Dinge funktionieren. So leben wir uns Leben im Autopiloten und werden von Routinen beherrscht. Am besten merkt man dies oft beim Autofahren. Wenn wir nicht mehr wissen, wie wir die letzten Minuten eigentlich gefahren sind, fährt unser Autopilot für uns.

Dieser Autopilot übernimmt uns vollkommen und wir verlieren die Fähigkeit Dinge zu sehen wie ein Anfänger oder wie ein Kind. Wenn wir über diese Fähigkeit sprechen, reden wir von Anfängergeist.

Die Vorteile des Anfängergeists

Wenn ein Kind neue Dinge entdeckt, nutzt es seinen Anfängergeist. Genauso ist es, wenn wir ein neues Hobby beginnen und wir noch wenig mit dem Thema vertraut sind.

Im Anfängergeist gehen wir neugierig und mit spielerischer Leichtigkeit an die Sache heran und haben unmittelbaren Kontakt mit dieser.

Durch diesen unmittelbaren Kontakt zu dem was ist, nehmen wir verschiedene Positionen und Sichtweisen ein. Somit nehmen wir auch eine Vielzahl von zusätzlichen Informationen und Lösungsmöglichkeiten auf.

Wenn wir uns einer Aufgabe mit der Denkweise eines Anfängers nähern, selbst wenn wir technisch gesehen ein Experte sind, sind wir innovativer und kreativer.

 Schon der Zenmeister Suzuki Roshi sagte: „Im Anfängergeist liegen viele Möglichkeiten. In dem des Experten wenige“.

Im Anfängergeist liegen viele Möglichkeiten. In dem des Experten wenige. – Suzuki Roshi Klick um zu Tweeten

So kannst du den Profimodus verlassen und deinen Anfängergeist nutzen

Werde dir bewusst, wann du im Autopiloten bist. Der erste Schritt, um den Profimodus zu verlassen, ist es, zu bemerken, wann wir auf Autopilot schalten.

Verlasse Routinen und betrachte Dinge mit Achtsamkeit. Brich aus deinen Gewohnheiten aus. Dinge und Aufgaben, die du bisher mit Routine gemacht hast, sollst du von nun an ihm Anfängergeist machen. Atme vorher einmal tief durch und konzentriere dich nur auf die Aufgabe.

Zum Beispiel bei der täglichen Dusche oder dem Zähneputzen. Stell dir vor, du stehst zum ersten Mal unter der Dusche. Wie fühlt sich das Wasser auf deiner Haut an?

Schließe die Augen. Wie hört es sich an, wenn das Wasser auf deinen Körper und auf den Boden plätschert?

Mache jeden deiner Handgriffe bewusst. Der Griff zum Duschgel, das Einseifen, das Abduschen. Du kannst dies auch mit anderen Aufgaben machen. Zum Beispiel Zähneputzen, Anziehen oder Schuhe zubinden. Oder aber auch das nächste E-Mail, dass du schreibst. Betrachte alles mit interessanter Aufmerksamkeit und Neugierde.

Bei welchen Aufgaben benutzt du schon deinen Anfängergeist und verlässt bewusst den Profimodus? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

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